28.01.2022

KfW-Programm für Effizienzhäuser gestoppt!

Was können Bauherren und Investoren nun tun?

Wirtschaftsminister Habeck hat das KfW-Programm für Effizienzhäuser und für die energetische Sanierung vorläufig gestoppt. Die Förderung soll durch die neue Bundesregierung reformiert werden.

Die neue Bundesregierung hat am Montag überraschend mitgeteilt, dass die derzeitige Förderung der staatlichen KfW für energieeffiziente Gebäude mit sofortiger Wirkung gestoppt werden. Der Grund für den Stopp: Das im November 2021 noch von der Vorgängerregierung für Ende Januar angekündigte Ende der Neubauförderung nach dem KfW-Effizienzstandard EH55. Die im Rahmen der noch vorläufigen Haushaltsführung für die Förderprogramme zur Verfügung stehenden Mittel seien bereits jetzt ausgeschöpft. Ziel der Neuausrichtung soll es sein, die Förderung und die gesetzlichen Standards für Neubauten neu zu ordnen.

Wir als greeen! architects sehen diese Entscheidung der Reformation grundsätzlich als richtig an, da eine Wirtschaft nicht dauerhaft mit Fördermitteln funktionieren kann. Kritisieren lässt sich hier jedoch die Art der Umsetzung, ohne Vorankündigung und sehr plötzlich.

In vielen Projekten entstehen durch die Entscheidung der Bundesregierung Finanzierungslücken, die durch die angekündigte Vergabe von günstigen Krediten wohl nicht vollständig aufgefangen werden können. Da liegt der Schluß nahe, das die Lösung darin liegen könnte, billiger zu bauen und lediglich die Vorgaben des GEG zu beachten. Davon können wir mit Blick auf die kommende nationale und europäische Gesetzgebung, als auch unsere Verpflichtung die Bauwende mit zu gestalten, nur abraten.

Die Bundesregierung plant, den KfW 55 Standard im neu zu überarbeitenden Gebäudeenergiegesetz möglichst schnell zu verankern. Sollte dies der Fall sein, werden Bauherren und Investoren in schätzungsweise 6-9 Monaten gezwungen sein, diesen Standard als Mindestanforderung zu realisieren. Zudem soll das GEG langfristig auf die Vermeidung von CO2 Ausstoß ausgerichtet werden. Auch Förderungen werden sich künftig direkt an den vermiedenen Treibhausgas-Ausstoß pro Quadratmeter orientieren.

Immer mehr Investoren von Immobilienfonds favorisieren heute Immobilien, die ESG konform sind (Offenlegungsverordnung, Artikel 9). Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren unserer Ansicht nach verstärken. Konventionell gebaute Gebäude werden folglich schon in wenigen Jahren "Stranded Assets" sein. Zusätzlich hat sich das gesellschaftliche Bewusstsein zum Wohnen und Leben seit Bewegungen wie Fridays4Future drastisch verändert.

Die Gesetzgebung in Deutschland und Europa wird sich verschärfen:

  • Die CO2-Steuer für Heizungsanlagen mit fossilen Brennstoffen wird bis zum Jahr 2025 auf 55 Euro pro Tonne CO2 ansteigen.
  • Das Gebäudeenergiegesetz wird mit Blick auf Bestandserhalt, Kreislaufwirtschaft und höhere ökologische Standards neu gefasst werden.
  • Es ist ebenfalls davon auszugehen, dass die neuen Fördermöglichkeiten sicher noch ambitionierter werden als KfW40.
  • In den Niederlanden rückt die Kreislaufwirtschaft in den Fokus der Gesetzgebung.

Das Gebäudeenergiegesetz wird komplett neu ausgerichtet. Daher glauben wir, dass alle Bauherren und Investoren gut beraten sind, trotz dieses Förderstopps weiterhin das Bauen nach ganzheitlicher Ausrichtung anzustreben, um nicht in wenigen Jahren ein nicht mehr handelbares Gut zu besitzen.

ESG konformes Bauen für die Zukunft bedeutet nach unserer Meinung, Lowtech statt Hightech und ein ganzheitlicher Planungs- und Realisierungsansatz. Optimale Lösungen bietet dort der Holzbau, zu dem die KOALITION für HOLZBAU ein neues Forderungspapier an die Politik gestellt hat - mit Ansätzen für die Umsetzung zukunftsweisender Fördermaßnahmen. Ökologisches, nachhaltiges und ganzheitliches Planen und Bauen ist bezahlbar, wenn man jedes Projekt ganzheitlich - und dazu gehört auch die wirtschaftliche Seite - betrachtet und entsprechend intelligent plant.

Stand: 28.01.2022

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