23.03.2020

Die resiliente Stadt: Stadtentwicklung neu gedacht

Der öffentliche Raum in der Stadt ist mehr als nur Gebäude und Straßen. Er wirkt auf uns Menschen und macht eine Stadt erst lebenswert – oder eben auch nicht. Was eine zukunftsfähige Stadtplanung ausmacht, wie eine resiliente Stadt aussehen kann und was den öffentlichen Raum nachhaltig macht – darüber schreibt in diesem Beitrag Mario Reale.

Warum der öffentliche Raum in der Stadt so wichtig ist
Eine nachhaltige Stadtentwicklung erfolgt größtenteils über die Gestaltung des öffentlichen Raums. Dieser umfasst eine Fülle verschiedener Eigenschaften und räumlicher Gegebenheiten. Gemeinsam ist ihm die uneingeschränkte Zugänglichkeit von allen Bewohner*innen und Besucher*innen der Stadt und die Freiheit, von diesem Raum Gebrauch zu machen.

Für mich ist der öffentliche Raum der Ort, den jeder Stadtbewohner wahrnimmt, in dem sich jeder fortbewegt. Er ist für mich der demokratische Raum in der gerechten Stadt, in dem jedes Individuum seine Fähigkeiten frei entfalten kann. Daher müssen diese Orte wie zum Beispiel Straßen, Gassen, Plätze, Promenaden, Parks und Kanäle lebenswert, flexibel und nutzungsoffen sein. Beim Planen und Bauen sollte daher der Mensch immer im Mittelpunkt stehen. Mit all seinen Bedürfnissen und Erwartungen.

Nur dann kann der urbane Raum zu einem Treffpunkt und Ort der Begegnung sowie zu einer Bühne des städtischen Treibens werden und gleichzeitig ein Gebiet der Entspannung und des Rückzugs sein. Welches Handlungsfeld eröffnet sich uns folglich, um den öffentlichen Raum zu stärken und unsere Städte nachhaltiger zu machen?

Wie Gebäude auf den öffentlichen Raum wirken
Jedes Gebäude nimmt Auswirkungen auf den Stadtraum, daher muss das Gebäude in der Straße und weiter gedacht in der Stadt funktionieren. Die Eigenschaft eines Raumes ist unter anderem, dass er durchschritten wird – nur so kann er auch vollständig wahrgenommen werden. Die Dimension eines Raumes wird in der Bewegung, also als ein dynamischer Prozess, erfahren und erlebt.

Stadträume, wie Plätze und Straßen, gehen nahezu nahtlos ineinander über und somit stellt die Stadt mit Gebäuden, Straßen und Plätzen insgesamt eine ständige dynamische Raumabfolge dar. Das Verständnis der Wechselwirkung eines Gebäudes in der Straße und der Straße in der Stadt über den öffentlichen Raum ist ein fundamentaler Bestandteil bei der Konzeption einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Daher ist es essentiell, das Gebäude in Planung und Bau nicht nur für sich alleine zu betrachten, sondern im Kontext des gesamten städtischen Treibens. Die Qualität des Raums neben und hinter dem Haus ist genauso wichtig wie dessen Vorderseite.

An der Harkortstraße am Hauptbahnhof Düsseldorf haben wir drei Hotels mit Gastronomie im Erdgeschoss und einen neuen öffentlich gewidmeten Fußgängerweg vom Konrad-Adenauer-Platz bis zum Mintropplatz geplant. Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Gebäudefiguren sowie die Materialwahl und -anordnung lassen eine Vielfalt in der Einheit entstehen, die von allen Seiten gleichermaßen ausgestaltet sind. Das bisher brach liegende Potenzial des Areals wird so aktiviert, dass die Stadt und ihre Bürger*innen ein neues qualitätsvolles Quartier zurückerhalten, das positive Impulse im Umfeld erzeugt. Eine ganzheitliche Betrachtung des geplanten Gebäudes als unmittelbare Reaktion auf den Ort und sein Umfeld ist für das Funktionieren einer Stadt folglich elementar.

Weitere Informationen zum Projekt findet ihr hier

Was eine resiliente Stadt ausmacht
Nur, wenn die Stadtentwicklung über den öffentlichen Raum erfolgt, kann eine Stadt widerstandsfähig und zukunftsoffen werden. Die resiliente Stadt denkt den öffentlichen Raum ganzheitlich, nachhaltig und zukunftsorientiert und vereint Merkmale wie Robustheit, Flexibilität und Lernfähigkeit. Eine gesicherte lebenswerte Zukunft erfordert ein zeitgemäßes konsequentes nachhaltiges und zudem architektonisch anspruchsvolles Bauen. Nachhaltigkeit hat wiederum einen großen wirtschaftlichen sowie ökologischen Wert für die heutige und auch die zukünftige Gesellschaft. Um diese Zielvorstellungen umzusetzen bedarf es ein visionäres Zusammenspiel aus Politik, Stadtverwaltung und Architekt*innen.

Es bedarf Mut!

Mein Wunsch ist es deshalb, das Bewusstsein für den öffentlichen Raum zu schärfen und zu einem städtischen Thema zu machen, das ganzheitlich gedacht wird. Denn Öffentlichkeit ist entscheidend für die Chance auf gesellschaftliche Anteilnahme und Anpassungsfähigkeit um die neuen Herausforderungen an eine zeitgemäße Stadt, die sich stets im Wandel befindet, gerecht zu werden. Deshalb wünsche ich mir, dass nach und nach eine Sensibilisierung von Seiten der Betrachter*innen für den öffentlichen Raum hervorgerufen wird. Es muss ein (natürliches) Verständnis bei Architekt*innen, Stadtplaner*innen, Bauherr*innen, Verwaltung und Politik dafür entstehen, dass der öffentliche Raum in seiner Planung und Entstehung nicht nur das „Überbleibsel“ von Raum ist, den Häuser nicht besetzten, sondern aktiv und bewusst gestaltet werden sollte und zwar als dynamische Raumsequenz in einer sich ständig ändernden und fortwährenden Stadtrevolution.

Der Artikel ist für den Blog des Management Circle am 5. März 2020 entstanden, eine Verlinkung findet ihr hier

Planung des Neubaus von drei Hotels am Düsseldorfer Hauptbahnhof durch greeen! architects
Neuplanung des Heinrich-Heine-Platzes in Düsseldorf durch das Architekturbüro greeen! architects
Entwurf des Düsseldorfer Architekturbüros greeen! architects für ein ökologisches Bürogebäude an der Roßstraße / Johannstraße in Düsseldorf
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